Allgemeine Hinweise zur Kultur

 

 

 

Die folgenden Angaben sind als Hinweise zu betrachten und müssen an die jeweils vorhandenen Bedingungen angepasst werden. Sie beruhen auf praktischen Erfahrungen, die bei der Kultur der Gattung im Botanischen Garten Darmstadt gesammelt wurden.

 

 

Standort und Licht

 

Kalanchoe benötigen für eine gute Entwicklung möglichst viel Licht. Sind die Pflanzen an ihren jeweiligen Kulturort gewöhnt, vertragen sie auch volle Sonne. Wichtig ist dabei immer, das eine ausreichende Luftbewegung herrscht, um Verbrennungen durch Überhitzen der Pflanzen zu vermeiden.

Jeder notwendig werdende Standortwechsel zu helleren Kulturorten, sollte bei Wetterlagen mit mehrtägiger starker Bewölkung vorgenommen werden. Verbrennungen durch die dann höhere Lichtintensität oder Sonneneinstrahlung lassen sich so einfach vermeiden. Ersatzweise können durch eine Abdeckung der Pflanzen mit Seidenpapier, Schattierleinen oder anderen geeigneten Materialien Verbrennungen verhindert werden.

 

Für die Kultur in der Wohnung sind nach Osten, Süden und Westen gerichtete Fenster am besten geeignet. Bei Westfenstern ist zu beachten, das hier im Sommer eventuell Verbrennungen auftreten können, wenn keine ausreichende Luftbewegung um die Pflanze gewährleistet werden kann.

Nordfenster sollten wegen zu geringer Lichtmengen nur verwendet werden, wenn kein besserer Standort zur Verfügung steht. 

 

Während der frostfreien Zeit ist die Kultur auf Balkon, Terrasse und im Garten sehr gut möglich. Wichtig ist ein vor Regen geschützter Standort.

Sehr gut eignet sich dazu ein Frühbeetkasten (Abb. 1), der auch ungeheizt sein kann. Durch Auflegen oder Abnehmen der Fenster lassen sich schnell und problemlos günstige und an das Wetter angepasste Kulturbedingungen erzielen.

Auch andere überdachte und dadurch vor Regen geschützte Stellen im Freien sind geeignet, wenn ausreichend Luftbewegung vorhanden ist.

Das Ausräumen der Pflanzen aus dem Winterquartier kann zum Ende der Frostperiode erfolgen, wobei auch hier besonders Wetterlagen mit mehrtägiger starker Bewölkung geeignet sind.

Nach der Eingewöhnung ist volle Sonne ohne Probleme verträglich.

Kalanchoe aus Freilandkultur zeigen einen sehr Artgerechten Wuchs sowie intensive Blatt- und Blütenfarben.

 

Die Kultur im Gewächshaus (Abb. 2) erbringt ebenfalls sehr gute Ergebnisse. Lässt sich eine ausreichende Lüftung gewährleisten, kann auf eine Schattierung verzichtet werden. Andernfalls muss durch geeignete Massnahmen, wie den Anstrich mit verdünnter Schattierfarbe oder die Anbringung von Schattierleinen oder -matten einer Überhitzung vorgebeugt werden. Sehr empfehlenswert ist eine automatische Schattierung, die sich je nach Sonneneinstrahlung selbständig reguliert.

 

Abb. 1: Kleine Sammlung im Frühbeetkasten

 

Abb. 2: Sammlung im Gewächshaus 

 

 

Temperatur

 

Kalanchoe lassen sich grob in zwei Temperaturgruppen unterteilen, die durch die Heiztemperaturen im Winter charakterisiert sind. Die folgenden Heizungs- und Lüftungstemperaturen haben sich bei den meisten Arten gut bewährt.

 

Madagassische Gruppe, bestehend aus den von dort kommenden Arten, den asiatischen Taxa und einzelnen empfindlichen afrikanischen Arten

  Heiztemperatur Tag / Nacht: 18°C / 14°C

  Lüftung Tag / Nacht: 22°C / 18°C

 

Afrikanische Gruppe, bestehend aus den meisten dort verbreiteten Arten

  Heiztemperatur Tag / Nacht: 14°C / 10° C

  Lüftung Tag / Nacht: 18°C / 14°C

 

Zu geringe Temperaturen sind an Wachstumsstockungen oder -stillstand leicht erkennbar und durch einfaches Umstellen an einen wärmeren Platz zu beheben.

Bei einzelnen Arten konnten so auch Unterschiede beim Temperaturbedürfnis von verschiedenen Herkünften festgestellt werden.

Als sehr wärmebedürftige Pflanze stellte sich K. bogneri heraus, bei der für eine problemlose Kultur die Temperaturen noch um etwa 2 K über den für die Madagassische Gruppe angegebenen Werten liegen sollten.

 

 

Pflanzgefässe und Substrat

 

Jeder handelsübliche Blumentopf, egal ob aus Ton oder Kunststoff ist als Pflanzgefäss geeignet.

Weil Kalanchoe kein grosses Wurzelsystem besitzen, ist die Verwendung von eher kleinen Töpfen besser. Die Durchwurzelung des Topfes und die Bildung eines Wurzelballens wird so gefördert, was eine Übernässung des Substrates vermeidet und ein gegebenenfalls notwendig werdendes Umtopfen erleichtert.

Bei der Verwendung von dunklen, besonders schwarzen Töpfen muss darauf geachtet werden, direkte Sonneneinstrahlung auf die Topfwände durch geeignete Massnahmen zu verhindern, um eine Überhitzung und dadurch das Absterben der Wurzeln zu vermeiden.

 

Bei Ampeln hat sich das Einstellen des Kulturtopfes in die sonst leere Ampel bewährt (Abb. 3), der so entstehende freie Zwischenraum sorgt für einen Abtransport der Wärme.

 

Als Substrat eignet sich jede Wasser- und Luftdurchlässige Mischung die einen leicht sauren pH-Wert von pH 5,5 - 6,5 aufweist und aus etwa 40 % organischen Material und 60 % anorganischen Material unterschiedlicher Korngrösse besteht.

Steht kein fertiges Substrat, wie z.B. spezielle Kakteenerde, zur Verfügung, kann eine geeignete Mischung folgendermassen hergestellt werden:

 

40 % Torfkultursubstrat 1 (TKS 1)

20 % gewaschener Sand 0-1,2 mm

20 % Bimskies 0-12 mm

20 % Porlit 0-12 mm

 

 

 

 

 

Abb. 3: Kulturtopf in leerer Ampel

  

Steht kein TKS 1 zur Verfügung, lässt sich auch eine andere nährstoffarme Blumenerde, oder ein gut abgelagerter Kompost verwenden. Ebenso ist Porlit durch ein anderes mineralisches, nicht wasserhaltendes Material ersetzbar.

Zu den Austauschsubstraten liegen mir keine eigenen Erfahrungen vor, so das hier entsprechende Versuche anzuraten sind.

Empfehlenswert ist, in allen Kulturstadien durchgängig das selbe Substrat zu verwenden. Die Gefahr, das durch unterschiedliche Substrate einzelne Pflanzen unterschiedlich feucht sind, lässt sich so leicht umgehen. Eine Ausnahme hiervon wird nur bei der Aussaat gemacht.

 

 

Bewässerung und Ernährung 

 

Alle Kalanchoe sind sukkulente Pflanzen, sie können also einige Zeit problemlos ohne Wasser überleben.

Damit die Wurzeln gesund bleiben, erfolgt die Bewässerung so, das ein Wechsel zwischen einem gut durchfeuchtetem und einem fast ausgetrocknetem Ballen stattfindet. Durch das Austrocknen des Wurzelballens kann wieder Luft in diesen eindringen was die Wurzeln gesund erhält und Fäulnis vorbeugt.

Beim Giessen wird so viel Wasser gegeben, bis der Topfballen gleichmässig feucht ist. Ist der Ballen stärker ausgetrocknet, wird im Laufe eines Tages mehrfach eine kleinere Wassermenge gegeben, so das der Ballen sich nach und nach vollsaugen kann. Nach der Bewässerung ist bis zum nächsten Giessen wieder ausreichend lange zu warten, was zwischen mehreren Tagen und einigen Wochen dauern kann. Ist man sich nicht sicher, ob der Topf bereits ausreichend durchgetrocknet ist, wartet man einfach einige Tage länger. Ein sicheres Zeichen für eine neue Wassergabe ist, wenn die untersten Blätter der Pflanze schlaff werden.

Zur Bewässerung kann jedes saubere Wasser verwendet werden. Günstig ist Regenwasser, da es nur geringe Mengen an Salzen enthält und so einer Versalzung entgegenwirkt. Normales Leitungswasser ist ebenfalls verwendbar, grössere Mengen an Kalk haben auf mittlere Frist keine negativen Auswirkungen auf das Pflanzenwachstum. Zu Beachten ist hier aber die Anreicherung von Salzen im Substrat, die ein häufigeres Umtopfen erfordern. Empfehlenswert ist, das Giesswasser vor der Verwendung etwas Abstehen zu lassen, damit es sich auf Umgebungstemperatur erwärmen kann.

 

Die Ernährung der Pflanzen erfolgt so, das eine gleichmässige aber schwache Nährstoffversorgung gewährleistet ist. Am einfachsten ist die regelmässige Zugabe von Dünger zum Giesswasser. Geeignet ist jeder Mehrnährstoffdünger mit Spurenelementen, bei dem die Anteile an den Hauptnährstoffen Stickstoff, Phosphor und Kalium in einem ausgeglichenem Verhältnis zueinander stehen. Eine einseitige starke Versorgung mit Stickstoff muss vermieden werden, um gesunde und typisch aussehende Pflanzen zu erzielen. Bei einer niedrig konzentrierten Bewässerungsdüngung kann während des ganzen Jahres gedüngt werden.

Von der Verwendung von Vorratsdünger wird abgeraten, weil die grossen Mengen an verfügbaren Nährstoffen zu übermässigem Wuchs führen.

 

 

Vermehrung 

 

Die Vermehrung kann über Stecklinge, Brutpflanzen und Samen erfolgen.

 

Für die Stecklingsvermehrung werden die Triebspitzen wenige Millimeter unterhalb des zweiten oder dritten Blattpaares mit einem scharfen und desinfizierten Messer abgeschnitten.

Neben Kopfstecklingen können auch Teilstecklinge geschnitten werden, deren ausgetriebene Seitentriebe später noch einmal wie Kopfstecklinge behandelt werden. Sind an den Teilstecklingen keine Blätter mehr vorhanden, empfiehlt es sich, die Stecklinge etwas länger zu schneiden, um genügend Assimilationsfläche an den Stecklingen zu behalten.

Die Stecklinge werden dann für einige Zeit aufrecht in einen leeren Blumentopf gestellt, damit die Schnittwunde abtrocknen kann (Abb. 4). Bei kleinen Schnittwunden reichen meist 10-14 Tage für die Trocknung aus, bei grossen Schnitten muss entsprechend länger gewartet werden.

Nach dem Abtrocknen und der Bildung der ersten Wurzeln kann man die Stecklinge in das gewünschte Kultursubstrat in kleine Töpfe stecken (Abb. 5).

 

Abb. 4: Stecklinge zum Trocknen aufgestellt

 

Nach dem Stecken wird noch etwa eine Woche mit der Bewässerung gewartet, damit eventuelle Verletzungen des Stecklings Zeit zum Abheilen haben. Anschliessend kann dann das erste mal durchdringend gewässert werden.

Die Bildung von Wurzeln erkennt man daran, das die Stecklinge Wasser aufnehmen und wieder saftig aussehen (Abb. 6). Sollte nach etwa einer Woche keine Änderung des Stecklings erfolgen, so sind noch keine Wurzeln vorhanden. Eine erneute Bewässerung muss dann unbedingt unterlassen werden, bis der Topf ausgetrocknet ist.

 

Abb. 5: Stecklinge direkt nach dem Stecken

 

Abb. 6: Stecklinge eine Woche nach dem ersten Giessen

 

Die Vermehrung über Brutpflanzen erfolgt, indem die an den Blatträndern, Blattenden oder bei einigen Arten auch in den Blütenständen gebildeten Brutpflanzen abgenommen, auf das Kultursubstrat gestreut und leicht angedrückt werden (Abb. 7). Auch hier sollte mit der Bewässerung einige Tage gewartet werden, um die beim Abtrennen verursachten Verletzungen verheilen zu lassen. Nach der Bewässerung dauert es nur wenige Tage bis erste Wurzelspitzen gebildet werden. Durch eine Erhöhung der Luftfeuchtigkeit lässt sich die Wurzelbildung beschleunigen, bis die Pflanzen eingewurzelt sind (Abb. 8).

Abb. 7: Frisch gelegte Brutpflanzen

 

Abb. 8: Brutpflanzen nach dem Anwurzeln

 

 

Bei der Anzucht aus Samen erfolgt die Aussaat günstigerweise im Frühjahr, etwa ab Anfang März, um den Pflanzen möglichst viel Zeit zur Entwicklung während der lichtreichen Jahreszeit zu geben.

Der Aussaatzeitpunkt kann durch Zusatzbelichtung auch etwas vorverlegt werden. Für die Weiterkultur muss dann aber ebenfalls für zusätzliche Belichtung gesorgt werden, bis die natürliche Lichtmenge ausreichend für eine gute Entwicklung ist.

Die Aussaat erfolgt je nach Saatgutmenge in kleine Töpfe oder Schalen. Für eine handelsübliche Portion Samen ist ein 8-cm Topf ausreichend. Dieser wird bis ca. 1 cm unterhalb des Topfrandes mit Aussaatsubstrat gefüllt, das aus 60 % Blumenerde oder Torf, gemischt mit 40 % Sand bestehen kann. Andere Mischungen sind ebenfalls verwendbar, wenn diese frei von Schädlingen und fäulnisfähigem Material sind. Das Aussaatsubstrat wird glatt gestrichen und der Topf anschliessend kurz aufgestossen um das Substrat zu setzen.

 

Abb. 9: Fertige Aussaaten (8 cm-Topf)

 

Auf die so vorbereitete Oberfläche werden dann die Samen gleichmässig ausgestreut und angedrückt. Es hat sich bewährt, die Samen mit einer 1-2 mm dicken Schicht Quarzsand (0,6-1,2 mm Korngrösse) abzudecken (Abb. 8). Hierdurch wird ein guter Bodenkontakt gewährleistet und gleichzeitig werden die Samen festgehalten so das die Keimwurzeln gut in das Substrat eindringen können.

Die Bewässerung erfolgt durch Tauchen, indem die Töpfe in ein Gefäss mit Wasser gestellt werden. Ist der Aussaattopf komplett durchfeuchtet werden die Töpfe herausgenommen und zur Keimung aufgestellt.

Die Aufstellung erfolgt bei ca. 20-25 °C hell, jedoch ohne direkte Sonneneinstrahlung, gegebenenfalls mit Zusatzbelichtung. Um die Feuchtigkeit zu halten, werden die Töpfe in einen verschliessbaren Kasten gestellt, oder mit Folientüten abgedeckt.

Nach der Keimung, die etwa 2-3 Wochen nach der Aussaat beendet ist, werden die Sämlinge langsam abgehärtet. Dazu wird Nachts die Abdeckung geöffnet und so zunehmend mehr gelüftet. Auch kann das Substrat nun schon einmal etwas austrocknen (Abb. 10). 

 

Abb. 10: Sämlinge zwei Wochen nach der Aussaat

Abb. 11: Sämlinge zum pikieren

 

 

Sind die Sämlinge ausreichend gross (Abb. 11), werden sie pikiert (Abb. 12). Zu lange Wurzeln kann man etwas einkürzen.

Auch nach dem Pikieren wartet man noch einige Tage mit dem ersten giessen, um Beschädigungen an den Wurzeln abheilen zu lassen. Während dieser Zeit stehen die Sämlinge am besten etwas schattiert und etwas wärmer. Auch hier wird das erste Giessen so durchgeführt, das der Topf komplett durchfeuchtet wird.

Abb. 12: Frisch pikierte Sämlinge (6 cm-Töpfe)

 

 

Weiterkultur 

 

Die Weiterkultur umfasst die Behandlung der Pflanzen nach der Vermehrung, der Blütenbildung, sowie die Behandlung von Neuzugängen für die Sammlung.

Sind die Pflanzen nach der Vermehrung ausreichend gewachsen oder mit der Zeit für den vorhandenen Topf zu gross, werden sie entsprechend umgetopft. Bewährt hat sich, den neuen Topf etwa 2 cm grösser zu wählen als den bisher verwendeten. Eine gute Durchwurzelung und Ballenbildung wird so gefördert.

Wie oben angegeben, empfiehlt es sich, immer die selbe Substratmischung zu verwenden, um Unterschiede beim Giessen zu minimieren.

Das Umtopfen selber erfolgt zwischen Anfang April bis etwa Mitte August. Während dieser Zeit ist ein Einwurzeln in das neue Substrat gewährleistet.

Die Pflanzen werden zuerst aus dem alten Topf genommen, was bei einem leicht feuchten Ballen am einfachsten geht. Durch das Abzugsloch herausgewachsene Wurzeln werden mit einem desinfizierten Werkzeug sauber angeschnitten. Anschliessend wird der Ballen auf Durchwurzelung und Schädlingsbefall kontrolliert und wenn das in Ordnung ist, in den neuen Topf eingesetzt. Das neue Substrat wird etwas angedrückt, um ein starkes Setzen zu vermeiden. Auch hier wartet man noch einige Tage bis zur ersten Bewässerung.

 

Pflanzen die geblüht haben, werden je nach ihrem Wuchs, unterschiedlich behandelt.

Bei den von unten verholzenden Arten werden die alten Blütenstände einfach mit einem desinfiziertem Werkzeug abgeschnitten. Die Schnittstelle wählt man je nach Grösse der Pflanze und gewünschtem Aufbau entweder in Höhe der anderen Triebe, oder dort, wo der Trieb entspringt.

Bei krautigen Arten kann man die Pflanzen entweder nach der Blüte stark zurückschneiden (Abb. 13), sie dadurch verkleinern und diese ein weiteres Jahr kultivieren, oder man verjüngt die Pflanze.

Beim Verjüngen entfernt man nur die Blütenstände und lässt die Pflanzen austreiben, bis die Triebe gross genug sind, damit man diese als Stecklinge schneiden und neu bewurzeln kann. Gleichzeitig kann man die Pflanze so vermehren und die Mutterpflanze später aussondern. Schafft man die Verjüngung zeitig im Jahr, blühen diese Exemplare schon im folgenden Winter, meist aber mit weniger Blüten. Schneidet man diese Pflanzen dann zurück, erhält man im darauf folgendem Jahr sehr schöne, grosse und reichblütige Pflanzen.

 

Neuzugänge werden vor dem Einordnen in die Sammlung immer auf Schädlingsfreiheit geprüft. Bei grossen Sammlungen ist zur Vereinfachung der Pflege empfehlenswert, die Neuerwerbungen umzutopfen und durch weitgehendes Entfernen des alten Substrates eine Angleichung zu schaffen. Bei kleinen Sammlungen kann man anfangs darauf verzichten, muss aber der Bewässerung mehr Aufmerksamkeit widmen und die Eigenschaften des anderen Substrates stärker berücksichtigen.

 

Abb. 13: Zurückgeschnittene Pflanzen zur Weiterkultur

 

 

Blütenbildung 

 

Kalanchoe sind Kurztagpflanzen, Blüten werden also nur dann gebildet, wenn für eine gewisse Zeit die Tageslänge eine spezifische Stundenzahl unterschreitet. Genaue Untersuchungen dazu gibt es jedoch nur für wenige Arten.

Ist nur das natürliche Tageslicht vorhanden, bilden sich im Herbst / Winter die Blüten von alleine aus. Zu beachten ist, das der Einfluss von Störlicht unterbunden werden muss. Selbst geringe Lichtmengen von Strassenbeleuchtungen, Gartenlampen oder anderen Lichtquellen führen zu einer Tagesverlängerung und unterbinden so die Blütenbildung.

Durch Verdunkeln der Pflanzen, z.B. durch Abdecken mit Kartons oder Verdunkelung des Kulturraums, kann die Blütenbildung induziert werden.

Die Tageslänge wird für die Dauer von mindestens 4 Wochen auf 8 bis 10 Stunden begrenzt. Um sicher zu gehen, kann die Verdunkelungszeit bis zur deutlichen Bildung von Knospen verlängert werden.

Zu beachten ist noch, das nur ausreichend grosse Pflanzen zur Blütenbildung angeregt werden können.

 

 

Krankheiten und Schädlinge 

 

Optimale Kulturbedingungen sind die einfachste Möglichkeit Krankheiten und Schädlinge fern zu halten.

Neuerwebungen werden vor der Eingliederung in die Sammlung sorgfältig untersucht, was auch den Topfballen und die Wurzeln einschliesst.

Wird ein Befall festgestellt, ist die erste Massnahme das Entfernen des Befallsherdes durch Abschneiden der befallenen Blätter oder des ganzen Triebes. Erst danach ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sinnvoll.

Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist zu beachten, das ein passendes, für Schädling, Kultur und Anwendungsgebiet zugelassenes Mittel ausgewählt wird und das die Anwendung entsprechend den Herstellervorschriften erfolgt.

Ausser den folgenden, am häufigsten vorkommenden Krankheiten und Schädlingen, können noch andere Schäden auftreten. Zur Diagnose sowie für Hinweisen zur Bekämpfung, kann man sich bei Pflanzenschutzämtern oder bei erfahrenen Gärtnern Hilfe holen.

 

 - Grauschimmel: Fäulnis die besonders an Blüten auftritt als mausgrauer, stäubender Schimmelrasen.

Abschneiden des Blütenstandes, Behandlung mit passendem Fungizid. Senkung der Luftfeuchte, bessere Lüftung und Luftbewegung.

 

 - Echter Mehltau: Mehliger weisser Pilzrasen an der Blattoberseite, später eintrocknen des Gewebes und Blattfall.

Abschneiden der Blätter, Behandlung mit passendem Fungizid. Lüftung verbessern und Umgebung auf ebenfalls befallene Pflanzen prüfen.

 

 - Stammfäule: Welken der Pflanzen, Schwärzung des Stammgrundes. Tritt vor allem bei zu hoher Bodenfeuchte und zu kalten Temperaturen auf.

Gesunde Triebspitzen als Stecklinge neu stecken, restliche Pflanze beseitigen. Substrat, Giessverhalten und Temperaturführung überprüfen und optimieren.

 

 - Schmierläuse: In Blattachseln und unter den Blättern sitzende watteartig umsponnene Läuse.

Abspritzen mit Wasser, bei starkem Befall Abschneiden der befallenen Stellen. Behandlung mit systemisch wirkendem Insektizid oder Kontaktmittel auf Raps- oder Mineralölbasis. Kontrolle der benachbarten Pflanzen und wenn vorhanden, Bekämpfung von Ameisen.

 

 - Schildläuse: 1-2 mm grosse, runde oder sichelförmige, braune beziehungsweise weisse schildförmige Läuse an Stengeln, in Blattachseln und an Blattunterseiten.

Abkratzen mit Watte- oder Holzstäbchen, bei starkem Befall Abschneiden der befallenen Stellen. Behandlung mit systemisch wirkendem Insektizid oder Kontaktmittel auf Raps- oder Mineralölbasis. Kontrolle der benachbarten Pflanzen und wenn vorhanden, Bekämpfung von Ameisen.

 

 

Literatur mit Kulturhinweisen (Auswahl) 

 

Eggli, U. (1994)

Sukkulenten

Eugen Ulmer, Stuttgart

 

Eggli, U. (2008)

Sukkulenten, 2. Aufl.

Eugen Ulmer, Stuttgart

 

Herwig, R. (1987)

Das praktische Handbuch der Zimmerpflanzen

BLV, München

 

Huber, J. A. in Encke, F. (Hrsg.) (1958)

Kalanchoe, Bryophyllum

Pareys Blumengärtnerei 1: 721-724

Paul Parey, Berlin

 

Kreuzer, J. (1994)

Kreuzer's Gartenpflanzen-Lexikon, 2. Aufl.

Zimmerpflanzen - Sukkulenten - Kübelpflanzen (Band 5)

Bernhard Thalacker, Braunschweig

 

Zimmer, K. (Hrsg.) (1991)

Kalanchoe-Hybriden

Hauptkulturen im Zierpflanzenbau, 3. Aufl., 245-258

Eugen Ulmer, Stuttgart

 

 

Literatur zur Blütenbildung (Auswahl)

 

Glöckner, R. (2007)

Untersuchungen zu Kalanchoe pinnata

Grin-Verlag, Norderstedt

 

Rünger, W. (1964)

Kalanchoe

Licht und Temperatur im Zierpflanzenbau, 2. Aufl., 179-185

Paul Parey, Berlin

 

Zimmer, K. (1996)

Untersuchungen zur Blühinduktion bei Kalanchoe marmorata Baker

Kakteen und andere Sukkulenten 47 (9): 188-191

 

Zimmer, K. (1997)

Kalanchoe porphyrocalyx (Baker) Baillon - wann und warum sie blüht

Kakteen und andere Sukkulenten 48 (4): 82-83

 

Zimmer, K. (2008)

Interessante Brutblätter (Bryophllum)

Schumannia 5: 105-108